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DIALOG IM MUSEUM #5: Von der Frankfurter Küche zu Alexa

Peter Cachola Schmal, Direktor Deutsches Architekturmuseum © Bruno Nemec

Podium (v.l.): Hr. Schmal, Alexander Nieland, CEO e4 QUALIFICATION GmbH, Dr. Tetiana Havlin, Universität Siegen, Dr. Wolfgang Voigt, Prof. Ralf Kunze, Studiengangsleiter Innenarchitektur, Hochschule RheinMain © Bruno Nemec

© Bruno Nemec

Die „Frankfurter Küche“ war die erste moderne Einbauküche der Welt. Wohin sich die Küche von Morgen entwickelt und was davon wirklich wünschenswert ist, waren zentrale Frage der gestrigen fünften Veranstaltung der Reihe DIALOG IM MUSEUM. Die Veranstaltungsreihe ist Teil von IMPACT RheinMain und ein Kooperationsprojekt mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt.

Einleitend konnten die Besucher in die Welt von Gestern und die historische Entwicklung zur Frankfurter Küche eintauchen: Gezeigt wurde der Kurzfilm „Die Frankfurter Küche“ (1927) von Paul Wolff. Anschließend erläuterte der Architekturhistoriker Dr. Wolfgang Voigt in seinem Impulsvortrag die Veränderungen der Nutzung des Wohn- bzw. Küchenraumes und die Entstehungsgeschichte dieser streng funktionalen Gestaltung.

"Alexa, bring mir eine Rinderroulade"

Prof. Ralf Kunze, Studiengangsleiter Innenarchitektur an der Hochschule RheinMain eröffnete die Podiumsdiskussion mit der Bestellung einer Rinderroulade mit Rotkohl über Alexa. Er skizzierte Anforderungen an die Innenarchitektur und Küchengestaltung von Mikroapartments bis zu Hotelketten. In Letzteren möchte er die Technik möglichst aus der Planung heraushalten, statt sie zu integrieren, da diese sich schneller wandelt, als die Innenarchitektur sinnvollerweise angepasst werden kann.

Alexander Nieland, CEO e4 QUALIFICATION GmbH, gab Einblicke sowohl in die Industriesicht als auch in seine persönlichen Erfahrungen mit digitaler Technologie im Alltag. Der vernetzte Mensch wird neue Möglichkeiten der integrierten Lieferung und neue Formen des Einkaufens schätzen und diese verändern wiederum auch die Kochgewohnheiten. Er plädierte für Aufklärung hinsichtlich der Nutzung statt Abstinenz im Umgang mit neuen Technologien. Die Soziologin Dr. Tetiana Havlin, Universität Siegen, lenkte den Blick auf die Tatsache, dass Alexa als digitaler Sklave" weiblich ist und die Frankfurter Küche schon damals für die Hausfrau entwickelt wurde, obwohl damals wie heute auch Männer kochen.

Peter Cachola Schmal, Direktor Deutsches Architekturmuseum, führte durch die anschließend folgende Diskussion mit den über 90 Besucherinnen und Besuchern. Ein Alexa-Nutzer aus dem Publikum erklärte, dass er wieder „downgraden möchte“ da er sonst zu faul werde. Die Nützlichkeit für ältere Menschen wurde hingegen sehr positiv eingeschätzt. Kritisch wurde hinterfragt, wie der zusätzliche Zeitgewinn durch den Einsatz digitaler Technologien genutzt wird und ob nicht teilweise Fähigkeiten in der Gesellschaft verloren gingen. Schon in der Zeit des Neuen Bauens haben Architekten versucht, den neuen Menschen als theoretisches Konstrukt zu entwerfen, wie gehen wir heute mit den neuen Entwicklungen um?