AKTUELLES DETAILANSICHT

Smart Mobility

Fahrradbilder – auf zwei Rädern durch Kunst und Medien

Impression von der Veranstaltung © IMPACT RheinMain

Impression von der Veranstaltung © IMPACT RheinMain

Im Rahmen der Vortags- und Diskussionsreihe „Mobilität im Wandel“ sowie der hochschulübergreifenden Reihe „Roadshow Radverkehr“ stand unter dem Motto „Fahrradbilder – auf zwei Rädern durch Kunst und Medien“ am Dienstag, 3.11.2020, das Fahrrad als Objekt bildlicher Darstellung im Zentrum einer regen Online-Podiumsdiskussion. Anlässlich der Ausstellung „fahrradfahrenfotografieren“ im Stadtmuseum am Markt Wiesbaden (sam) wurde das aktuelle Hype-Verkehrsmittel Fahrrad aus ungewohnten, interdisziplinären Perspektiven in den Fokus genommen. Punkt 18 Uhr begrüßte Dr. Volker Blees, Professor für Verkehrswesen an der Hochschule RheinMain, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Online-Veranstaltung sowie die Referentinnen und Referenten.

Der Blickwinkel der Fotografie

Zu Beginn bot Lothar Bertrams, Professor für Fotografie aus dem Fachbereich Kommunikationsdesign der Hochschule RheinMain, einen Einblick in die aktuelle Fotoausstellung. Nach einleitenden Impressionen des Fahrrades als Element in historischen Fotos, in Starfotos, in der Fotokunst und in der Modefotografie zeigte er ausgewählte Fotografien seiner Studierenden. In vielen der Fotografien wird Unabhängigkeit, Unbeschwertheit, Vitalität und Lebenslust, Körperlichkeit, Sportlichkeit und Individualität ausgedrückt sowie immer wieder ein intimer Blick ins Leben gewährt. Das Fahrrad in Szene zu setzen war das Thema des Seminars im Sommersemester 2020 im Studiengang Kommunikationsdesign. Hierbei beinhaltete die Aufgabenstellung, eine Serie von sechs zusammenhängenden Bildern zu erstellen. Eine konkrete Designvorgabe gab es dabei nicht, um den Studierenden so genügend Freiheit und Interpretationsspielräume zu ermöglichen. Umso erstaunlicher, so Bertrams, dass so unterschiedliche Genres und verschiedene Themen in den Bildern angeschnitten wurden.

Der historische Blickwinkel

Nach diesem Input lieferte Dr. Christina Thomson, Kunsthistorikerin und Leiterin der Sammlung „Grafikdesign“ der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin, einen Beitrag zum Thema „Radlerei! – 200 Jahre Fahrradmotive“. Als Kuratorin der gleichnamigen Ausstellung, die 2017 im Staatlichen Museum zu Berlin zu sehen war, gab Frau Thomson als Expertin einen umfassenden historischen Einblick in das Rad im Grafikdesign und damit auch auf die Geschichte des Fahrrades. In ihrem Vortrag bot sie unterschiedliche Blickwinkel auf das Fahrrad und seine Darstellung und zeigte verschiedene Werbeplakate, Zeitschriften, Kupferstiche und Fotografien: Von den Anfängen des Laufrades im frühen 19. Jahrhundert über das Hochrad mit Tretkurbelantrieb oder den ersten Niederrädern mit Kette Ende des 19. Jahrhunderts. Weiterhin lieferte sie historische Impressionen zu folgende Thematiken: „Frauen radeln“, „Wirtschaftsfaktor Fahrrad“ und „das politische Rad“.

Der Blick auf die Medien von heute – eine systematische Analyse

Im dritten Vortrag bot Dr. Jochen Eckart, Professor für Verkehrsökologie an der Hochschule Karlsruhe, einen Einblick in die Forschung zum Thema „Das Bild vom Radfahren – Rezeptionen des Fahrrads in den Printmedien“. Dabei wurde die aktuelle Darstellung des Rades in deutschen Printmedien untersucht und der Frage nachgegangen, welche Bilder derzeit vom Radfahren vermittelt werden. Mithilfe einer methodischen Bildanalyse und einer Clusterbildung von Radverkehrsbildern wurde dieser Fragestellung auf den Grund gegangen. Fazit: Das Cluster „Schöne neue Infrastruktur“ zeigt sich vermehrt in den deutschen Printmedien, während die Vielfalt des Radverkehrs in den Städten, mit Lastenrädern, Pedelec, Kindern etc., noch nicht angemessen wiedergegeben wird.

Interdisziplinarität wird gefordert

Spannend bei allen drei Vorträgen hintereinander: Viele Themen kommen in den betrachteten 200 Jahren und in allen Vorträgen immer wieder vor, andere ergänzten sich oder kamen neu hinzu. Die Verkehrswege waren in der Fotografie kaum zu finden, dafür umso mehr in den Printmedien. In allen drei Vorträgen wurde letztlich die mediale Perspektive diskutiert: Wie wird das Fahrrad kommuniziert? Hier gibt es deutliche Unterschiede zu anderen Verkehrsmitteln. Das Fahrrad ist vielfach sehr positiv aufgeladen, gleichzeitig sind aber auch in historischen Grafiken bereits viele kritische Sichtweisen sowie Karikaturen zu finden. Es wurden Fragen über die Macht der Bilder und vielleicht auch über fehlende Visualisierungen von Ideen für die Zukunft aufgeworfen. Letztere könnten die Vorstellung und Akzeptanz erhöhen und die interdisziplinäre Forschung im Mobilitätsmanagement kann hier einen wichtigen Beitrag leisten. Oder wie Sandra Speer zusammenfasste: In fünf Jahren wird man auf dieses Thema schon wieder anders blicken, das Fahrradbild von morgen ist sozusagen heute schon in der Entwicklung.

Alle Videos zur Austellung "fahrradfahrenfotografieren" sowie zu den Begleitveranstaltungen sind im YouTube-Kanal der Hochschule zu sehen.

Den Katalog zur Ausstellung gibt es hier zum Download: hs-rm.de/fahrrad